Die Eifel und ihre Burgen – Burg Vogelsang
Die Eifel und ihre Burgen – eine Reise in die Vergangenheit
Teil 10: Burg Vogelsang
Im Jahr 1933 forderte Adolf Hitler in seiner Rede in Bernau bei Berlin den Bau von neuen Schulen für den „Führernachwuchs“. Er betraute den so genannten „Reichsorganisationsleiter“ Robert Ley mit der Planung und dem Bau. Dieser gab den Bau dreier „Schulungslager“ (NSDAP-Ordensburgen) in Auftrag:
- in Crössinsee (Pommern),
- in Sonthofen (Allgäu) und
- Vogelsang in der Eifel.
Am 16. März 1934 erfolgte der erste Spatenstich für die Ordensburg Vogelsang über der Urfttalsperre, die im ersten Bauabschnitt von bis zu 1.500 Arbeitern innerhalb von nur zwei Jahren errichtet wurde. Architekt war der Kölner Parteifreund Clements Klotz.
Der Begriff „Ordensburg“ entsprang dem Bedürfnis der Partei- und Staatsführung, sich starker Symbole der deutschen Geschichte zu bemächtigen und sie ideologisch umzudeuten.
Burg Vogelsang ist nicht als eine mittelalterliche Höhenburg zu verstehen, sondern vielmehr als eine aus Stahlbeton bestehende Ausbildungsbau, den die Auszubildenden durchlaufen mussten. Sie war eine einjährige Station eines insgesamt auf 3 ½ Jahre angelegten Schulungsverlaufs. 500 Parteimitglieder sollten pro Jahrgang die Ausbildung zu Ende bringen und sie alle waren fanatische Anhänger des Systems und sie bezeichneten sich entsprechend überheblich als „Junker“. Niemand der aufgenommenen Parteimitglieder konnte die Ausbildung zu Ende bringen, denn sie meldeten sich zum Kriegseinsatz, als die deutsche Wehrmacht Polen am 01.09.1939 angriff. Die Wehrmacht nutzte die Anlage noch 2 Mal als Truppenquartier: Einmal beim Westfeldzug 1940, danach im Rahmen der Ardennenoffensive im Dezember 1944.
Daraufhin wurde der Betrieb eingestellt und bis 1944 erfuhr die Ordensburg verschiedene Nutzungen, z. B. als alte Schulgebäude für „Adolf-Hitler-Schulen“ oder Partei-Gymnasien, bis sie im Frühjahr 1944 fast unzerstört den vorrückenden Alliierten in die Hände fiel.
Bis 1946 standen die Gebäude leer und wurden von der Bevölkerung geplündert. Dann erst schufen die britischen Besatzer rund um das Gelände einen Truppenübungsplatz mit Kaserne. Das nahe gelegene kleine Dorf Wollseifen musste auf Befehl der britischen Militärverwaltung daraufhin aufgegeben und geräumt werden.
4 Jahre später, im Jahr 1950, übernahmen die belgischen Streitkräfte den Komplex und gaben ihm den Namen „Camp Vogelsang“. Die Belgier errichteten zahlreiche neue Gebäude, denn sie sollten den Standort noch 55 Jahre nutzen. In dieser Zeit wurde „Camp Vogelsang“ Nato-Übungsgelände, welches auch die Bundeswehr nutzte.
Mit dem Ende des „kalten Krieges“ und der Auflösung des Warschauer Paktes wurde der Standort Vogelsang aufgegeben und ist seit dem 1. Januar 2006 öffentlich zugängig. 72 Jahre nach dem ersten Spatenstich begann eine zivile Nutzung und der ehemalige Truppenübungsplatz wurde als Teil des Nationalparks Eifel der Natur und Menschen zurück gegeben.
Seit dem dient die Ordensburg der Information, der Mahnung, der Erholung und dem Lernen. Sie ist aber auch ein Treffpunkt der Generationen, ein Ort, der zum Nachdenken anregen soll, eine Erinnerungsstätte, die eine wichtige Funktion in der Gesellschaft übernommen hat.
Heute kann man bei Rundgängen und Führungen einen guten Eindruck gewinnen und die qualifizierten Referenten zeigen Ihnen gerne das Gelände. Hier erfahren Sie auch Interessantes zur Geschichte, Architektur sowie zur Projektentwicklung von Vogelsang.
Im Forum „Adlerhof“ bekommen Sie Informationen, Literatur oder Wandertips.
ÖFFNUNGSZEITEN
Sommerzeit:
Gelände: Täglich von 8-20 Uhr
Forum / Gastronomie: Täglich von 10-17 Uhr
Winterzeit:
Gelände: Täglich von 10-17.30 Uhr
Forum / Gastronomie: Täglich von 10-17 Uhr
Heiligabend und Silvester: 10-14 Uhr
Adresse:
vogelsang ip gemeinnützige GmbH
Forum Vogelsang
53937 Schleiden
Telefon: 02444 – 91579-0
Telefax: 02444 – 91579-29
E-Mail: info@vogelsang-ip.de
Internet: www.vogelsang-ip.de
Burg Vogelsang bildet den Abschluss unserer Burgenserien. Die einzelnen Berichte zu diesen einmaligen Zeugnissen unserer Kultur und unserer Heimat können Sie hier noch mal nachlesen.
Vorherige Berichte:
Teil 1: Die Wildenburg finden Sie hier.
Teil 2: Die Burg Reifferscheid finden Sie hier.
Teil 3: Die Burg Monschau finden Sie hier.
Teil 4: Die Burg Hengebach in Heimbach finden Sie hier.
Teil 5: Die Burg Nideggen finden Sie hier.
Teil 6: Die Burg Satzvey finden Sie hier.
Teil 7: Die Burg Eltz finden Sie hier.
Teil 8: Die Burg Nürburg finden Sie hier.
Teil 9: Die Burg Cochem finden Sie hier.




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