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Mit dem Mountainbike zum Nordkap

2. November 2009

Norwegen mit dem Rad zu bereisen ist ein pures Erlebnis. So sehr man sich auch vorbereitet, die Realität überwältigt einen in unerwartetem Maße. Norwegen verspricht Landschaft und Eindrücke und eine nie gesehene Weite. 17 Tage waren wir unterwegs, davon 13 reine Fahrtage, die uns durch Nationalparks, zum Polarkreis, auf das Vogelparadies „Lofoten“ und an nicht enden wollenden Fjorden vorbei führten.

Start war der kleine Ort Mo I Rana, wenige Kilometer südlich des Polarkreises. Diesen markanten Punkt mit dem Fahrrad zu erreichen war ein MUß auf dieser Tour und das erste Highlight auf dem Weg nach Norden.

Der Polarkreis
Der Polarkreis

Das Glück war auf unserer Seite und bescherte uns ein Bilderbuchwetter, sodass wir die Mitternachtssonne am Saltstraumen, dem größten Gezeitenstrom der Welt, genießen konnten, bevor wir mit der Fähre von Bodo auf die Lofoten übersetzten.

Mitternachstsonne in Saltstraumen
Saltstraumen

Diese Inseln beeindruckten uns mit ihrer kargen Schönheit und einmal mehr waren wir von diesem Land gefangen. Wir haben weiße Sandstrände gesehen, Rentiere und nicht enden wollende Küstenstraßen. Campingplätze waren unser zuhause und manch Gleichgesinnter unser Gefährte.

Die Lofoten
Die Lofoten
Der Ort Rheine
Der Ort Rheine

Es gab so einige emotionale Momente aber der Tag, an dem wir 1000 Fahrkilometer geschafft hatten, war sicher einer der Schönsten. Umgeben von Fjorden, Wald und Natur folgten wir der Straße, über Hochplateaus, die einen mit Ehrfurcht erfüllten, entlang der Gebirge, auf denen noch Schnee lag, immer Richtung Norden.

Lyngen Fjord
Der Lyngenfjord
Der Lyngenfjord
Der Lyngenfjord

Ein Plateau in 400m Höhe
Endlich oben, nach 20 km

In Alta mit dem Altafjord gönnten wir uns einen Tag Pause, denn es lagen hier noch zwei Etappen mit insgesamt 230km vor uns. Das Wetter war auch nicht mehr so gut und es drohte Regen, der dann auch kam. Trotzdem erforschten wir diese letzte große Stadt und das berühmte Altamuseum mit seinen bekannten Steinmalereien, die über 6000 Jahre alt waren.

Steinmalereien Altamuseum
6000 Jahre alte Felszeichnungen

Die letzten beiden Tage mussten wir zum Teil über Stunden im Regen fahren, was uns aber nicht davon abhielt voller Vorfreude auf das nahende Ziel, mit Tempo unterwegs zu sein. Auch hier mussten wir ein Plateau bewältigen, umringt von Bergen mit Straßen, die am Horizont verschwanden. Eine schier unendliche Weite hat uns dort oben erwartet. Wie so oft in den vergangenen Tagen mussten wir halten, um Bilder zu machen. Dort oben war es trotzdem anders.
So erreichten wir unser letztes Etappenziel, bevor es zum Nordkap ging.

Ein Hochplateau auf der vorletzten Etappe
Eine endlose Sicht
Hochplateu
Ein endloses Plateau

Dieser letzte Tag sollte uns noch einmal alles abverlangen. Wir hatten gelernt, dass Norwegen keinesfalls flach war und viele Steigungen, Brücken und Tunnel mindestens 8 – 9% hatten. In der Summe bedeutete das, über 1000Hm jeden Tag.  Mit 35 Kg Gepäck im Rucksack und im Anhänger kostet das eine Unmenge Kraft.
Dazu kam, dass der Kalorienverbrauch bei geschätzten 6000kcal/Tag lag und das durch Nahrung aufzunehmen, war schwerer als man sich vorstellt. Nach 1220 Fahrkilometern und 112km mit der Fähre standen wir jetzt vor unserem letzten Tag. 130 fast permanent nach Norden, immer einen der größten Fjorde der Welt zur Rechten. Nach all den Tagen und Kilometern war es jetzt soweit, heute würden wir den nördlichsten Punkt auf dem europäischen Kontinent erreichen, das Ende Europas.
Der Start war noch trocken, doch der Regen ließ nicht wirklich lange auf sich warten. Vor uns lag auch noch der längste Tunnel dieser Tour, der Nordkaptunnel. Das bedeutete 7 km im Dunkeln. Die ersten 3 km geht es mit 9% Gefälle bergab, bis man sich 200m unter dem Meer befindet. Das war wirklich kein gutes Gefühl dort unten. Dann folgte eine 1km lange Gerade, bis es auf der anderen Seite wieder 3km mit 9% Steigung bergauf ging. Schlecht beleuchtete Tunnel und nur die eigene Beleuchtung, die einen vor dem Verkehr schützt. Wir waren selten so froh, wieder am Tageslicht zu sein. Nach dem Tunnel waren wir aber auf der Nordkapinsel, es war also nicht mehr weit.

Nordkap2009 489
Was für ein Wetter

Dafür wurde aber das Wetter zusehends schlechter und die vergangenen Tage steckten tief in den Knochen. Man fängt nicht jeden Morgen mit 100% an, da die Regeneration dafür nicht reicht. Außerdem macht einem das ewige Licht zu schaffen. Auch, wenn 24 Stunden Sonne wirklich schön sind, man lange fahren kann und den Tag mit einem ganz anderen Rythmus erlebt, läßt es einen auch trotz Schlafbrille schlechter schlafen. All das, die Anstrengung, das viele Gepäck und der hohe Kalorienverbrauch zehrte an diesem letzten Tag sehr an uns. Das führte dazu, dass wir erst Nachts um 23:30 Uhr ankamen, nachdem wir nicht enden wollende Kurven und Anstiege bewältigt haben, von hunderten
Bussen überholt und bedrängt wurden, wir durch Nebel und Regen stundenlang fuhren und mittlerweile durchnaß waren und kalt hatten.

Das Nordkap
Der Globus am Nordkap, 23:30Uhr
Unser Zeltplatz am Nordkap
Der wohl nördlichste Campingplatz Europas

Allein die letzten 13 km hatten uns 2 Stunden gekostet. Umso mehr werden wir wohl niemals den Moment vergessen, an dem wir das erste Mal das Nordkap ausmachen konnten und noch weniger, als wir die Schranke passierten und nur noch wenige hundert Meter entfernt waren. Trotz der späten Stunde und dem schlechten Wetter waren hunderte Menschen dort oben und wir waren fast augenblicklich die Attraktion und wahrscheinlich sind wir auf nicht wenigen Fotos drauf. Wir waren wirklich am Ende unserer Kräfte, als wir dort oben am Globus standen, aber niemand war glücklicher und stolzer als wir.

Die Nacht haben wir auf dem Nordkapgelände verbracht und es gibt bestimmt keinen nördlicheren Fleck Europas, in dem man noch Heringe rein bekommt.

Alles in allem haben wir eine unvergessliche Tour gefahren, haben Land und Leute kennen gelernt und so manche Freundschaft geschlossen. Dieses Erlebnis und diese Eindrücke, die wir haben sammeln können, werden wir nie vergessen.
Nach 17 Tagen, 1350 gefahrenen Kilometern und 14.477Hm waren wir wieder zu hause. Wir sind dankbar, dass alles geklappt hat, sich keiner verletzt hat und wir auch „fast“ keine Panne hatten.

Umso schöner ist es natürlich für uns, dass wir damit auch einem guten Zweck helfen konnten. Infos hierzu auch unter www.Nordkap2009.de

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4 Kommentare leave one →
  1. 23. November 2009 16:00

    Hey wunderschöne aufnahmen sind dir da gelungen, bin sehr beeindruckt, tolle landschaft kann mir nur vorstellen wie wohl sich man da fühlt.

  2. Annemie und Gerhard permalink
    12. Februar 2010 11:21

    Wollte nur kurz anmerken : Wir haben an Euch gedacht,sind in Gedanken mit Euch gefahren,haben die Daumen gedrückt und sind nun wahnsinnig stolz auf unsere Söhne.
    Wir lieben Euch

    Pap und Mam

  3. Thomas permalink
    1. Mai 2013 16:31

    Hallo zusammen

    Tönt super Euer Bericht und lässt bei mir die Vorfreude noch zusätzlich steigen! Ich will im Juli und Aug. vom Nordkapp nach Göteborg fahren mit dem Velo.
    Dabei werde ich mit Anhänger und Camping- und Wanderausrüstung unterwegs sein. Eigenltich würde ich die Tour gerne mit dem Rennrad absolvieren. Ist dies von den Strassenverhältnissen (Zustand) her empfehlenswert oder nehme ich besser das Bike?

    Vielen Dank für Eure Impressionen und ein mögliche Antwort.

    Sportliche Grüsse

    Thomas

    • 1. Mai 2013 16:58

      Hallo Thomas,

      schön, dass dir der Bericht gefällt und ich dich darin bestärken kann deine Tour zu machen. Trotz allem kann so ein Bericht nicht rüber bringen, wie unglaublich cool es war und wie sehr wir die 3 Wochen genossen haben. Ich denke, grundätzlich ist ein Rennrad nicht ungeeignet, zumindest was den Straßenbelag angeht. Ich kenne natürlich deine Route nicht aber ich würde lieber mit einem Mountainbike und Straßenbereifung fahren oder mit einem Tourenrad. Einmal sind bei uns die Campingplätze nicht alle an der Straße gewesen, sondern lagen teilweise einige Kilometer abseits und dann über Lehmstraßen zu erreichen. Außerdem halte ich ein Mounty für stabiler, auch sind die Reifen nicht so schmal. Wir hatten zwar keinen Platten aber ich hätte mit dem Rennrad kein so gutes Gefühl. Der wichtigste Punkt ist aber die Haltung und der Sattel. Versuch aufrechter zu sitzen und ganz wichtig, bedenke den Sattel. Ich hatte einen normalen Mountainbikesattel, nicht total hart aber trotzdem nicht gedämpft o.ä. Nach 100 Kilometer tat mir der Hintern schon weh und das hörte bis zum Nordkap nicht auf, obwohl ich vorher 1 Jahr lang daraug hintrainiert hatte.
      Ich rate dir vom Rennrad ab und versuch eine entspannte Haltung beim Fahren zu haben.

      Ich drücke dir die Daumen und wenn du noch Fragen hast, melde dich einfach.

      Viele Grüße

      Michael

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