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St. Mokka, kennen Sie eigentlich die Geschichte?

13. Februar 2013

Es gibt doch gar keinen heiligen Mokka. So soll sich jemand beim Erzbischof in Köln beschwert haben. Nach aufwendiger Suche nach dem Heiligen Schutzpatron der Schmidter Kirche, die verständlicher Weise nicht erfolgreich war, musste sich der gute Mann an höchster Stelle melden. So wird es erzählt und ich finde die Geschichte äußerst amüsant. Natürlich gibt es nicht wirklich einen heiligen Mokka, aber dafür einen heiligen Hubertus, denn so heißt die Kirche in Schmidt (Stadt Nideggen) im Nationalpark Eifel ja in Wirklichkeit.

Anfahrt nach Schmidt/St. Mokka
Anfahrt nach Schmidt/St. Mokka

St. Mokka heute Wie kommt jetzt eine Kirche zu einem Namen wie St. Mokka? So wird sie hier in der Eifel im Volksmund genannt und das schon seit fast 70 Jahren.

Wir schreiben das Jahr 1945, der Krieg war zu Ende und die Menschen standen vor dem Nichts. Gerade in der Region um Schmidt hatte der Krieg schlimm gewütet, die Schlacht im Hürtgenwald ist vielen ja noch heute ein Begriff. Fast alle Gebäude waren zerstört, so auch die Kirche in Schmidt, die bei der Allerseelenschlacht Anfang November 1944 schwer beschädigt wurde. So erging es vielen Menschen, die jetzt versuchten, wieder ein Einkommen zu haben und Haus und Hof wieder aufbauen wollten. Wie das in solchen Zeiten ist, werden die Menschen erfindungsreich und wussten ihre Chancen zu nutzen. Zwischen 1946 und 1953 entstand so aus der Not heraus die sogenannte Kaffeefront. Kaffeefront bedeutete der wohl größte Kaffeeschmuggel zwischen Belgien, den Niederlanden und Deutschland nach dem Krieg und man spricht von über 1.000 Tonnen geschmuggeltem Kaffee in dieser Zeit. In der Eifelregion florierte der Schmuggel besonders und man muss wissen, dass der Ort Schmidt nur ca. 17 Km von Belgien entfernt lag.

Schmugglerweg Aufgrund der hohen Kaffeesteuer konnte man mit Schmuggel wieder Geld verdienen, was aber nicht ganz ungefährlich war. Abseits der Hauptstraßen wurde auf Schmugglerpfaden, die noch heute begehbar und mit einer Führung zu erkunden sind, nachts im großen Stil geschmuggelt. Ganze Kolonnen von Kaffeeträgern, gesichert durch Vorläufer und Seitenläufer mit Signalpfeifen, schleppten in den Nachkriegsjahren mit dem Kaffeesack auf dem Rücken, dem „Pöngel“, Unmengen von Kaffee in Richtung Schmidt. Natürlich gab es auch Zöllner und vielfach stammten Schmuggler und Zöllner aus gleichen Dörfern oder waren sogar verwandt. Das führte oft zu Konflikten und mancher Schmuggler musste auf der Flucht seinen Sack zurück lassen oder wurde gar angeschossen oder getötet. Über 30 Menschen sollen dabei ums Leben gekommen sein.

Seit dem 18. Mai 1947 wurde die Pfarre von Pfarrer Josef Bayer betreut, dessen Gehalt gerade mal für 2 Päckchen Zigaretten gereicht hätte. Er wusste um die schmuggelnden Schäfchen in seiner Gemeinde und das sich jede Nacht Scharen auf den Weg nach Belgien machten. Diese Schäfchen konnten jetzt in einer Woche mehr verdienen, als vor dem Krieg in einem Jahr.

Dank des Kaffees ging es dem Ort Schmidt bald wieder besser und die Menschen konnten ihre Häuser wieder aufbauen, alle, außer Pfarrer Bayer, der kein Geld für den Wiederaufbau seiner Kirche hatte, die noch immer kein Dach hatte.

Daraufhin hielt Pfarrer Bayer eine besondere Predig, die etwa folgenden Wortlaut gehabt hat: „Merkwürdig ist das! Ich weiß ganz bestimmt, dass ihr, meine lieben Pfarrkinder, so viel Geld habt, dass ihr Kopfschmerzen bekommt. Bei mir aber ist es umgekehrt: Ich habe Kopfschmerzen vor lauter Schulden und bekomme davon noch graue Haare!“ Ein weiteres Predigtzitat ist folgendermaßen überliefert: „Ich bete Nacht für Nacht dafür, dass ihr nicht erwischt werdet, und ihr habt nichts für den Wiederaufbau unserer Kirche übrig.“

Mit dieser Predigt hatte er etwas bewirkt, hatte seine Schäfchen erreicht, denn diese haben daraufhin eine unglaubliche 5-stellige Summe in seinen Opferstock geworfen. Man spricht von unglaublichen 250.000 Mark. Dieses Geld machte es erst möglich, die Kirche St. Hubertus wieder aufzubauen. Wie kommt die Kirche aber jetzt zu dem Namen St. Mokka? Ganz einfach, die Kaffeesorte, die damals geschmuggelt wurde, nannte sich “Mokka Turc”, was die Namensgebung wohl erklärt. Eine tolle Geschichte, wie ich finde, die ich immer gerne erzähle.

Der Kaffeeschmuggel endete, nachdem am 24. August 1953 die Kaffeesteuer von zuletzt 10 DM/kg drastisch auf 4 DM/kg gesenkt wurde.

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One Comment leave one →
  1. Ilse Hautz permalink
    15. Juni 2018 21:07

    Heiliger St.Mokka, deine Geschichte ist schön! Im

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